Sonntag, 23. Januar 2011

Frollein Holles Küchentips - Heute: "Kichererbsenkeimlinge"

Wer wie ich total auf Kichererbsen abfährt, sie gerne noch ein wenig gesünder machen möchte und wem (wie mir) die lange Kochzeit auf den Zeiger geht, dem sei folgender Tip ans Herz gelegt:

Lasset die Hülsenfrüchte keimen!

Wenn man Kichererbsen keimen lässt, erhöht sich
zum einen der Nährstoffgehalt dieser leckeren Hülsenfrüchte - sogar der Gehalt an einigen Vitaminen, insbesondere Vitamin C, steigt beim Keimen an. Die Konzentration an Mineralstoffen verändert sich zwar nicht, sie werden allerdings für den Körper besser verfügbar, weil einige wertmindernde Inhaltsstoffe wie Phytinsäure (die u.A. die Eisenaufnahme ins Blut behindert) durch das Keimen abgebaut werden. Gleichzeitig - auch wenn mich das eher weniger interessiert - sinkt der Kaloriengehalt, da die Keimlinge viel Wasser aufnehmen.

Zum anderen werden die Hülsenfrüchte besser bekömmlich (die Kichererbsen werden durch die pflanzeneigenen Enzyme aufgeschlossen und sind somit quasi "vorverdaut), und die Kochzeit verringert sich um ein Vielfaches. Man sollte allerdings großzügig über die Tatsache hinwegsehen können, dass die Hülsenfrüchte durch das Keimen schon fast wie außerirdische Lebensformen aussehen.

Ich nehme immer ca. 150 gr. trockene Erbsen (diese Menge füllt nachher im gekeimten Zustand ein normalgroßes Keimglas), weiche sie ca. 12-18 Stunden in Wasser ein und lasse sie dann ca. 3 Tage keimen. Dabei spüle ich die Sprossen 1-2x täglich mit Wasser ab. Nach 3 Tagen ist Erntedankfest und die Keimlinge können mit in die entsprechenden Gerichte gegeben und mitgekocht werden.

Wenn man nun an dem Tag, an dem die Sprossen eigentlich verzehrfertig sind, spontan doch überhaupt keinen Bock auf ein Kichererbsengericht hat, kann man die Keimlinge auch kurz auf einem Küchentuch abtrocknen und in einer Tupperbüx im Kühlschrank noch ein, zwei Tage in die Warteschleife legen.

Eigentlich ist es ja am gesündesten, wenn man Keimlinge wie z.B. von Bockhornklee, Sonnenblumenkerne und auch Dinkel oder Weizen roh futtert, aber bei Kichererbsensprossen sollte man das tunlichst unterlassen (auch wenn es in manchen Rohkostforen empfohlen wird), Sie enthalten (wie diverse andere Hülsenfrüchte) im rohen Zustand nämlich einen unbekömmlichen Eiweiß-Stoff namens "Phasin", der beim Kochen (bei Keimlingen reicht tatsächlich kurzes Aufkochen) zerstört wird.

And jetzt im Chor....."give chickpeas a chaaaance".

Kommentare:

  1. Das ist eine gute Idee, ich komme einfach nicht dazu aus meinen gelagerten getrockneten Kichererbsen etwas zu machen ;-)
    Verwendest du sie dann ganz "normal" weiter oder hast du irgendwelche Spezialrezepte?
    LG

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  2. Ich verwende die Keime "ganz normal" wie gekochte Kichererbsen. Heute zum Beispiel...Kartoffeln in Würfel schneiden, zusammen mit einer Zwiebel in Olivenöl andünsten, rote Linsen und die Kichererbsenkeimlinge dazugeben, mit etwas Gemüsebrühe angießen, geschnittene Paprika dazu, etwas Kokosmilch und das Ganze mit Pfeffer, Salz, Curry, Chili und Ingwer zu einem dickflüssigen Eintopf köcheln lassen. Sowas eben ;) Ich wollte aber demnächst auch mal Falafel aus den Keimen machen, mal sehen.

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  3. Ups, ich hab die immer roh gegessen. Hab nie was gemerkt, aber nächstes Mal wird ein bisschen blanchiert. :)

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  4. Naja, jeder "Jäck iss anders" und wenn Du die rohen Keime bisher gut vertragen hast, spricht sicherlich nix dagegen. Wie gesagt, in diversen Rohkostforen wird's ja auch empfohlen.
    Ich würd's nicht tun, rohe Hülsenfrüchte und deren -keime sind mir seit einem Linsenprossen-Experiment sehr suspekt ;)

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  5. Ich kenne viele, die Kichererbsenkeimlinge roh essen. Andererseits sagt das ja auch nichts; der Körper kann eine Menge aushalten, das ihm dennoch nicht unbedingt zuträglich ist.

    Daher habe ich jettz mal im DEBInet-Forum mal eine Anfrage gestartet, wie viel mg Phasin Kichererbsen und -Keimlinge denn enthalten, und wo die Grenze der Giftwirkung liegt.

    Falls es ne fundierte Antwort gibt, melde ich mich wieder

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  6. so. Da ich in dem Forum keine Antwort erhielt, habe ich selber gezielte Versuche angestellt. Ich habe meinem Frühstück (Frischkornmüsli) ca. 50g angekeimte Kichererbsen zugefügt, und auf körperliche Reaktionen geachtet. Parallel habe ich mich mit anderen besprochen, die angekeimte Kichererbsen ebenfalls roh essen (s.o.)

    Ergebnis:
    Das Kriterium für die Verträglichkeit ist NICHT die Keimdauer, sondern die Länge des Keimes; angekeimte Kichererbsen sind offenbar dann gut verträglich, wenn ihr Keim mindestens so lang ist, wie der Durchmesser der Kichererbse. Man muss aber WIRKLICH darauf achten, dass die Keime MINDESTENS diese Länge haben.

    Wenn man das beachtet, tritt keines der Symptome auf, die von ungekeimten oder Kichererbsen mit kürzeren Keimen (z.B. 3 mm) hervorgerufen werden (bei mir: Halskatzen, plötzlich eintretendes Verschleimtsein und Sodbrennen - und dies alles war WIRKLICH sehr deutlich zu spüren). Soweit meine Ergebnisse.

    Wie kann man sich nun erklären, dass überall gebetsmühlenartig überall wiederholt wird, man solle angekeimte Kichererbsen blanchieren? Ich habe dazu nur folgende Vermutung:

    Kichererbsen keimen gut, aber - ähnlich wie Adzukibohnen - nicht wirklich gleichmäßig. Sehr wichtig ist zwar, dass spezielle Bedingungen erfüllt sind: die Kichererbsen müssen kühl und dunkel stehen; ich habe sie in einen Schrank (Schranktür nur angelehnt) in den Keller gestellt, so dass sie unter 18°C und in stockfinsterer Umgebung waren. Aber selbst dann keimen nicht alle Kichererbsen, und es sind nach 72 Stunden noch immer viele mit zu kurzen Keimen (Keimlänge < Kichererbsendurchmesser) dabei.
    Nun macht sich - so meine Vermutung - kaum jemand die Arbeit, 4 Keimschalen übereinander (jeden Tag eine neue) anzusetzen und jeweils die ausreichend gekeimten Kichererbsen auszulesen, während die übrigen in ihrer jeweiligen Keimschale belassen werden. Insbesondere, wenn man nur ab und zu angekeimte Kichererbsen isst, wird man wohl dazu neigen den gesamten Inhalt einer Keimschale zu verwenden - samt all der ungekeimten Kichererbsen und jener mit zu kurzem Keim (d.h. samt all der Kichererbsen mit nicht oder nur unzureichend abgebautem Phasin). Wahrscheinlich rührt daher die Empfehlung, sicherheitshalber dann doch das GANZE zu blanchieren. Diese Schlussfolgerung scheint mir auch deshalb naheliegend, weil ich sie schon einmal, im Zusammenhang mit Adzukibohnen, gelesen habe.

    Soweit das, was ich herausfinden und mir zusammenreimen konnte. Sollte nun jemand, der dies liest, andere Erfahrungen haben, würde ich mich natürlich über eine Rückmeldung hier oder per Mail (Ralf_07[at]gmx.at) sehr freuen.

    Viele Grüße!

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  7. So, nach einiger Zeit des Ausprobierens muss ich leider sagen, dass ich doch das Gefühl habe, die Kichererbsenkeimlinge tun mir nicht gut.

    Ich bin mir nicht sicher, aber mich plagte die ganze Zeit über ein seltsamer Husten, der (wie ich mir einbilde) immer dann besser wurde, wenn ich mal ein, zwei Tage weniger od. kaum Kichererbsen hatte, weil sie aufgrund von Wärme schlechter gekeimt hatten.

    Nun, ob eingebildet oder nicht - jedenfalls begann ich, mich nach anderen Möglichkeiten umzusehen, Hülsenfrüchte ohne stundenlanges Kochen genießbar zu machen - und bin dabei auf die Idee gestoßen, Hülsenfrüchte zu Mehl zu mahlen und sich PFANNKUCHEN daraus zu backen.

    Hierzu werde die Hülsenfrüchte also gemahlen, mit der doppelten Menge Wasser angerührt, 15 min quellen gelasssen und die Pfannkuchen dann in einer beschichteten (!!!!!) Pfanne ausgebacken. Das dauert dann nur ein paar Minuten.

    Mit Geschmackszutaten wie Gewürzen oder Spirituosen (Rum, Cognac etc) müsste jeder selber herumexperimentieren, da nicht wirklich gut kochen kann und mir die Pfannkuchen "nur" zum Sattwerden mache.

    Viele Grüße!

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  8. Ich danke Dir für Deinen Einsatz, lieber Herr/Frau Anonymikus ;) Ich bin selbst auch immer sehr skeptisch ob der rohen Sprossen, irgendwie schmecken sie mir auch einfach nicht so gut.
    Für Kichererbsenmehlrezepte kann ich Dir diesen tollen Beitrag von Mihl ans Herz legen:
    http://seitansbraten.wordpress.com/2011/06/30/vegane-zutaten-kichererbsen/

    Klingt alles wirklich köstlich, ich hab' aber bisher noch keine Zeit gehabt, etwas davon auszuprobieren.

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  9. Unter http://idealminimal.blogspot.de habe ich auch mal meine Keimexperimente zum Besten gegeben, mit sehr guten Erfolgen. Es ist verblüffend wie viele Nährstoffe diese kleinen Dinger enthalten. Ich empfehle jedem Nutzer das mal aus zu probieren und zu schauen, ob Sprossen und Keimlinge auch für einen Selbst was leckeres ist. Egal ob im Salat oder im Smoothie ich finde die Sprossen immer super

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  10. Hallo, ich habe neulich eine gute Hand voll Kichererbsen mit 1,5 cm langen Keimen roh gegessen. Sie haben gut geschmeckt. Ein paar Stunden später habe ich starke Bauchschmerzen bekommen, die 2,5 Tage angehalten haben. Mir ging es wirklich nicht gut. Ich werde garantiert nie wieder rohe Kichererbsen essen!

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  11. Hallo Ihr :-) ich bin gerade auf den Block gestoßen und ganz begeistert! Ich suche auch noch nach einer Antwort​ WG. dem Phasin... Aber mir ist gleich etwas WG. den Bauchschmerzen etc eingefallen. Wir haben als Familie vor einigen Jahren beschlossen unsere Ernährung umzustellen, auf mehr Smoothie, Keimlingnahrung usw. und haben da festgestellt das man Durchfall und Bauchschmerzen bekommt und Entgiftungserscheinungen (was ja an und für sich gut ist) wenn man rohe Nahrung nicht gewöhnt ist. Mann muss es langsam anfangen oder 1-2 Wochen durchstehen bis Körper​/ Darm etwas entgiftet haben und/oder daran gewöhnt ist!�� Das darf man da auf keinen Fall übersehen! Ich hoffe das hilft etwas! MirJaNess

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